Festivalpreis 2013

«Goldene Kuh von Langnau»:

Peter Schrank, Schweiz/Grossbritannien

 

«Silberne Kuh von Langnau»:

Ivailo Tsvetkov, Bulgarien

 

«Bronzene Kuh von Langnau»:

Valyo/Valentin Georgiev, Bulgarien

 


 

 

 

 

Peter Schrank, Schweiz/Grossbritannien

 

«Goldene Kuh von Langnau» 2013

für den Cartoon «Pferdefleisch»

 

Mit dem ersten Platz, der mit 2013 Franken dotierten Goldenen Kuh von Langnau, würdigt die Jury einen überaus tierischen Cartoon, in welchem es allerdings gerade nicht vor Schweinen wimmelt, sondern im Gegenteil weniger Schinken und Speck vorhanden ist, als uns allen lieb wäre.

 

Dieses Bild, welches das Festivalmotto «So ein Saustall» mit einem der zweifellos zentralen Themen des aktuellen Jahres verknüpft, wurde von der Jury einhellig auf dem vordersten Platz gesehen, für seine inhaltliche Vielschichtigkeit wie auch für seine gestalterische Komposition. Die Welt des Cartoons arbeitet oft damit, Sprachbilder, Redewendungen und Metaphern zurück ins Visuelle zu übersetzen und neu zu interpretieren, und Cartoonisten haben damit nicht selten dieselben Probleme wie Journalisten oder Schriftsteller: Zwar, dass Redensarten wie «Den Kopf in den Sand stecken»  oder «Etwas unter den Teppich kehren» oftmals zu abgenutzten Sprachhülsen, zu stereotypen Symbolen geworden sind.

 

Dem 1952 in St. Gallen geborene, vor über 30 Jahren nach London übersiedelten Zeichner Peter Schrank gelingt in seinem Bild genau das Gegenteil: Das Labyrinth, das hinter dem Pferdefleischskandal und dem transeuropäischen Lebensmittelhandel steckt, trifft den Betrachter beklemmend real, wuchtig und lässt keinen Zweifel offen, welche Rolle die Lebensmittelindustrie uns, den Konsumenten, zugedacht haben. Platz 1 für eine lebendige Bildsprache zu einem absolut toternsten Thema. 

 

Text: Marco Ratschiller

 

 

 

 

Ivailo Tsvetkov, Bulgarien

 

«Silberne Kuh von Langnau» 2013

für den Cartoon «No Title» (You are here)

 

Er ist 1964 in Sofia/Bulgarien geboren. 1983 schloss er dort die Kunstschule ab. Seine arbeiten erscheinen in Zeitschriften wie Monitor, Telegraph oder Tema. Seine Biographie verzeichnet viele Ausstellungsbeteiligungen, von Langnau im Emmental bis nach China. Er amtet als Präsident der bulgarischen Sektion der internationalen Cartoon Vereinigung FECO.

Tsvetkov nimmt in seiner Siegerarbeit das Thema des Festivals auf und kreiert eine Art überdimensionale King Kong-Sau. «Am Födle hine», sagt man im Appenzell. Und an den Arsch der Welt führt er uns hin mit seinem verschlagenen Cartoon, seiner zeichnerischen «Sauerei».

Wer aber ist die Sau, die uns den Hintern zeigt? Die Polit-, Globalisierungs-, Korruptions- oder die Finanzsau? Wir wissen es nicht, alles ist offen und möglich, ausser des diskreten Hinweises: «You are here», den wir aus der digitalen Welt kennen. Und eines ist ebenfalls klar: vulgär, direkt, mit dem Arsch voran trifft uns dieser Cartoon. Im Gegensatz dazu steht der Stil, fein ziseliert der Strich, subtil und nicht zu schreiend in den Farben, fast elegant.

Wer also ist die Sau? Ach ja, klar: Die Sau sind wir, wir alle. Vorne und hinten. Das ist das Fiese an dieser Zeichnung. Sensibel im Stil, aber stinkend von vorne und von hinten. So eine Schweinerei!

Text: Walter Keller

 

 

 

Valyo/Valentin Georgiev, Bulgarien

 

«Bronzene Kuh von Langnau» 2013

für den Cartoon «No Title» (Cyber-Love)

 

Valyo führt uns mit seinem Cartoon in ein eheliches Schlafzimmer. Die Gattin schlummert friedlich, der Mann kehrt eben von einer nächtlichen Surf-Tour ins warme Nest zurück. Mit einem Bein ist er noch am paradiesischen Strand, wo ihm eine Schöne mit nackten Brüsten zuwinkt, der andere Fuss ist bereits zurück auf der Matratze des gemeinsamen Lagers.

 

Die Szene beginnt auf den zweiten Blick Fragen aufzuwerfen: So trägt der Mann eine heiter gemusterte Badehose und eine bunte Girlande um den Hals, die nur zum Südseemädchen passen und nicht zur schlafenden Gattin nebenan. Ist das ferne Paradies im Laptop ein geheimes Refugium, das der Mann verschwiegen in sich trägt? Eine Geschichte beginnt sich zu entrollen ...

 

Valyo interpretiert unser Festival-Thema «So ein Saustall! Die neue Realität.» in überraschend intimer und alltäglicher Weise. Dennoch zeigt er  – nun im stillen Schlafzimmer der ehelichen Zweierkiste vorgeführt – die Diskrepanz zwischen sauberer Fassade und versteckter Anarchie dahinter. Der Cartoon holt unser Thema weg vom medialen Getöse um den globalen Saustall in unsere geheime Privatzone. Deshalb berührt er uns.

 

Valentin Georgiev, geboren 1970 in Bulgarien, studierte an der Universität von Veliko Тarnovo die bildenden Künste. Der Maler und Cartoonkünstler lebt in der Donaustadt Rousse an der bulgarisch-rumänischen Grenze.

 

Text: Reto Mettler

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